Jahrgangsübergreifendes Lernen in Klassenfamilien

Warum arbeiten wir jahrgangsübergreifend?


Es ist nicht so, dass sich alle Kinder einer Altersstufe auf demselben Entwicklungsstand befinden bzw. dahin gebracht werden können. In einer altersgemischten Gruppe fällt es leichter, auch die Verschiedenheit der Kinder zu akzeptieren und als Chance für ihre Entwicklung aufzugreifen.
Das Lernumfeld in altersgemischten Klassen ist anregungsreicher und wird den Lernansprüchen damit gerechter. In dieser Lernumgebung gibt es immer auch Angebote für „stärkere“ und „schwächere“ Schülerinnen und Schüler. Die Herausforderungen, die die Inklusion an Schule und Unterricht stellt, waren der wesentliche Ausgangspunkt bei der Planung und Einführung dieses Konzepts.

  Selbstständiges Lernen, eigenständige Wissens-aneignung und Individualisierung der Lernprozesse sind sehr wichtig für erfolgreiches Lernen mit „Langzeitwirkung“ und erhalten gerade im jahrgangs- übergreifenden Unterricht besondere Gewichtung.

Prosoziales Verhalten, Toleranz und Achtung vor dem anderen können in der altersgemischten Gruppe eher gelernt werden, weil der direkte Umgang mit kleineren und größeren Kindern in der Klasse ständig solche Herausforderungen bietet.  So entstehen Situationen, in denen die Schülerinnen und Schüler voneinander und miteinander lernen!

Kinder, die keine oder nur wenige Geschwister haben, machen Lernerfahrungen und auch soziale Erfahrungen im Umgang mit den älteren und jüngeren Kindern. Der Übergang vom Kindergarten in die Schule verläuft fließender. Neue Kinder finden sich schneller zurecht.
Wie verbringen die Kinder die Grundschulzeit in jahrgangsübergreifenden Klassen?

Alle Kinder und Lehrerinnen freuen sich auf Ihr Kind.

Die Schulanfänger werden in die vier bestehenden Klassenfamilien integriert. Eine Klassenfamilie besteht aus den Jahrgängen 1 bis 4.

Jeder Schulneuling erhält einen Paten, der ihn durch das Schulleben begleitet.

Von Anfang an lernen alle Schulanfänger die Regeln des Zusammenlebens und -arbeitens in einer erfahrenen Gruppe.

Die Kinder verbleiben in der Regel vier Jahre in ihrer Lerngruppe/Klassenfamilie. Danach wechseln sie dann in die angrenzende Stufe.

Es gibt jedoch auch für Kinder, die mehr Zeit benötigen, die Möglichkeit, fünf Jahre unsere Schule zu besuchen. „Schnellläufer“ können bereits nach drei Jahren in die Sekundarstufe I übergehen.

Bis zum Ende der Grundschulzeit bleiben alle Kinder in ihrer Lerngruppe. Ein Klassenwechsel bei Nichtversetzung in den nächsten Jahrgang entfällt somit!
Wie setzen wir jahrgangsübergreifenden Unterricht an unserer Schule um?

Wir arbeiten regelmäßig in offenen Unterrichtsformen (z.B. Wochenplan/Tagesplan), in denen sich die Kinder zur gleichen Zeit mit unterschiedlichen Aufgaben beschäftigen.

Selbstverständlich werden die Kinder nach den Vorgaben des Lehrplans und den Vorgaben des Kerncurriculums, die ihrem Jahrgang entsprechen unterrichtet und beurteilt.

Zwischen den Lehrkräften aller altersgemischten Lerngruppen besteht eine enge Kooperation.
Fragen von Eltern an jahrgangsübergreifend arbeitende Schulen und unsere Antworten:

Lernen die Kinder nicht zu wenig?

Das Ausschöpfen der Lernmöglichkeiten eines jeden Kindes ist das Ziel des jahrgangsgemischten Unterrichtens. Die Kinder können mit Älteren mitlernen und ihre Fähigkeiten durch das Helfen bei anderen festigen, also voneinander und miteinander lernen.


Werden die schnelleren Kinder nicht durch die anderen gebremst, werden sie hinreichend herausgefordert?
Jahrgangsübergreifender Unterricht ermöglicht gerade auch leistungsstärkeren Kindern, ihren Möglichkeiten entsprechend schneller zu lernen. Je nach Leistungsfähigkeit können sie in verschiedenen Fächern auf unterschiedlichem Niveau arbeiten.


Stören sich die Kinder nicht gegenseitig beim Lernen?
Es entstehen weniger Störungen, weil die Kinder einander vermitteln „wo es langgeht“. Lernanfänger wachsen in eine Lernumgebung hinein, die bereits durch Rituale und Regeln sowie Arbeitsformen von älteren Kindern geprägt ist.


Geht soziales Lernen (z.B. Helfen) nicht zu Lasten des Lernstoffs?
Soziales Lernen bedeutet nicht zusätzlichen Lernstoff. Es schafft im Gegenteil wichtige Voraussetzungen für das Lernen in unserer heutigen Gesellschaft, wie z.B. Kommunikations- und Teamfähigkeit, Fähigkeit mit Konflikten umzugehen etc.
Sind die Kinder dann in den weiterführenden Schulen nicht benachteiligt, wenn sie sich an das Lernen in altersgemischten Gruppen gewöhnen?

Das reine Leistungsvermögen der Kinder unterscheidet sich in keiner Weise von dem der anderen Kinder, die in Jahrgangsklassen gearbeitet haben. Dies haben bereits etliche wissenschaftliche Untersuchungen ergeben.
Soziales Lernen in altersgemischten Gruppen

Wichtige soziale Erfahrungen können durch das gemeinsame Lernen in altersgemischten Gruppen aufgebaut und entwickelt werden:

  • helfen und Hilfe bekommen
    (Kooperationsfähigkeit)

  • voneinander und miteinander lernen
    (Teamfähigkeit)

  • Rolle des Beschützers
    (Verantwortungsbewusstsein)

  • Achtung und Rücksichtnahme vor dem Anders-Sein und Anders-Können
    (Toleranzfähigkeit, Stichwort Inklusion)

  • Teilhabe der Jüngeren an Lerninhalten der Älteren
    (Lernmotivation)